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Mittwoch, 08.02.2012, 12:37
als burnout betroffene muss ich dazu kurz was melden: als ich schon ziemlich flott unterwegs war, ins "Echte" burnout, merkte ich, dass meine arbeitsleistung schwächer wurde. jetzt weiß ich, dass mir die Konzentrationsfähigkeit abhanden gekommen war. Damals wurde ich immer mehr panisch, weil ich das Gefühl hatte, in meinem Job nicht mehr genügend zu leisten, dass ich immer mehr und länger arbeitete. Ein Teufelskreis. Wenn man das Glück hat, rechtzeitig zu erkennen, das "Workoholkic" doch nicht das Beste im Leben ist, wie es dir gelungen ist, kann ich herzlich gratulieren. Am Weg zur Genesung, auf dem ich mich immer noch befinde, sind mir viele Menschen begegnet, denen es leider wie mir nicht gelungen ist. Es tut weh, dass die Zeit, die wir für Therapien und Regeneration, oft auch für die Behandlung der einhergehenden Depressionen immer noch als "Ersatzurlaub" angesehen wird. Und, nicht jeder ist gerne ein "Kontrollfreak", sondern möchte einfach nur "sein Bestes" geben. Wenn das gelingt, und das "Beste" vergeben wurde, ist auch das " Beste an Lebensfreude, Das Beste an Freunden, das Beste an sozialen Kontakten, das Beste der Beziehung " etc. abgegeben. Doch dann kommt es ja noch tiefer: keine Freunde, kein Job, kein Lebensmut, kein Sinn am Leben. Vielleicht sind einige Menschen ja sogar der Ansicht, wenn man diese BURNOUT-Finanzprobleme nicht so eingehend therapiert, erledigt sich ihr Problem von allein? Wäre möglich. Sogar für ewig.

Doch!
Vielleicht sollte uns das Problem immer und dauernd erreichbar sein zu müssen, immer in teuren Hosenanzügen zun stecken und Handy, E-Mail, Firmenauto.... zu denken geben!
Möglicherweise wird von uns einfach zu viel erwartet, ja verlangt!
Immer lächeln, keine Gefühle, nie Krank, im Urlaub möglichst viel Action! Meetings, Greetings, Sessions, Vorträge, Aufträge, Erträge!
Vielleicht sollten wir uns auf das Wesentliche, die Menschen dahinter konzentrieren.
Wer nicht schlank und schön ist, hat keine Chance im Überangebot an Workoholics. Wer nicht "mobil erreichbar" ist, ist ein Fossil.
In der "Freizeit" noch die angesagten Trendsportarten durchziehen, wann bleibt Zeit, für Ruhe, Erholung, Freude, Freunde, Menschlichkeit?
Hoffentlich schaffen wir es noch rechtzeitig, uns zu besinnen, bevor wir uns auf die Liste der aussterbenden Spezies setzen müssen.


Montag, 23.01.2012, 11:26
Wie eigenartig. Nun bin ich "Halbwaise".
Meine Mutter ist am 4. Jänner gestorben, sie war 75 Jahre lang hier auf dieser Erde.
Ich bin ein erwachsener Mensch, eine Frau, die selber schon Kinder hat, die beinahe erwachsen sind. Und doch.
Der Gedanke dass dieser Abschied so endgültig ist, treibt mir die Tränen in die Augen.
liebe mama,
wir haben uns nicht immer geliebt. Es war auch nicht immer schön und angenehm miteinander.
Meine Kindheit war geprägt von deiner Krankheit, die damals keiner richtig verstanden hat. Depressionen. Wie oft hörte ich: Mama ist krank, nimm dir nicht alles zu Herzen.
Wie oft hörtest du: Reiss dich doch ein bissl zusammen, lass dich nicht so gehen.
Deine Ankündigung, dich umzubringen, nicht mehr dazusein wenn ich aus der Schule zurück bin.
Ich habe nicht alles verstanden, und auch nicht darüber reden können. Damals, vor über dreissig Jahren, wusste nur ein kleiner Kreis von Fachleuten was Depression bedeutet, und welche Auswirkungen sie auf den Betroffenen und die Angehörigen hat.
Keiner hat deinen Mann in die Therapie miteinbezogen. Niemand hat uns Kindern gesagt, dass du uns trotzdem liebhast, auch wenn du sagst, es wäre dir lieber, ich wäre tot.
Viele Familiendramen sind passiert, deine Meinung war nicht immer willkommen. Kompromisse waren nicht möglich. Viele Jahre des Schweigens und des AusdemWeggehens waren die Folge.
Bei meiner Scheidung sind wir uns näher gekommen. Hast du mich das erste Mal in unserem Leben um meinen Mut beneidet? Wir konnten uns wir Erwachsene unterhalten. Du hast mir sogar sehr intime Erlebnisse aus deinem Leben erzählt. Wir waren erstmalig Mutter und Tochter.

Ich war an deiner Seite, als der Arzt die Diagnose Alzheimer stellte. Sehr oft war ich mit dir im Krankenhaus, als dich die Depression und Alzheimer überrollt hat, und du nicht mehr vorwärts blicken wolltest.
Durch deine Krankheit sind wir uns sehr nahe gekommen. Obwohl du kaum noch sprechen konntest, hast du mir ein "Freunde" zugehaucht. Mein Versprechen, dich nicht alleine zu lassen konnte ich leider nicht immer einhalten.

Deine Krankheit wurde auch meine Krankheit.
Die Depression hat mich geholt.

Ich kann dich jetzt so gut verstehen, wie es dir ergangen ist. Ich bin dir jetzt so nahe, wie noch nie in unserem gemeinsamen Leben.

Der Tod hat dich befreit.

Mach´s gut, Mama.